Office Technologies

Schreibmaschinen, Kopiergeräte, Aktenstehordner, Kartei- und Lochkarten-Systeme, Kohlepapier – das späte 19. Jahrhunderts war geprägt von einer Vielzahl bürotechnischer Erfindungen und Neuerungen, die im Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren allmählichen Siegeszug  sowohl in der privaten Wirtschaft als auch in allen Bereichen öffentlicher und staatlicher Administration antraten und im Zuge ihrer Einführung neue Organisationssystematiken und verbesserte Kommunikationsstrukturen ermöglichten. Keineswegs zufällig verband sich mit dem Aufkommen neuer Bürotechnologien ein breit geführter Rationalisierungsdiskurs, der auch Fragen zur Organisation und Verwaltung von Krankenhäusern, Krankenkassen, Fürsorgestellen und Versorgungsämtern mithin des gesamten Gesundheitswesens erfasste.

Vor diesem Hintergrund verfolgt Oliver Falk das Ziel, den fundamentalen Wandel klinischer und ärztlichen Aufschreibepraktiken angesichts des bürotechnischen Fortschritts und den daraus resultierenden Formalisierungs- und Standardisierungsdynamiken in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu analysieren. Nicht allein die Einführung neuer Bürotechnologie in das moderne Krankenhaus soll dabei Gegenstand der Betrachtung sein. Darüber hinaus gilt es, die weitreichenden strukturellen Auswirkungen in Bezug auf inner- und außerklinische Ausdifferenzierungsprozesse, der Veränderung von sozialen Bezugssystemen im Sinne von Standes- und Arbeitshierarchien sowie des ärztlichen Handelns und Wissens selbst zu beschreiben.