Verwaltung, Staatsbildung und Schriftlichkeit

auf territorialer und höfischer Ebene: das Kurfürstentum-Sachsen in Personalunion mit Polen-Litauen (1697-1706; 1709-1763)

Die sächsischen Kurfürsten waren im 16. Jahrhundert die einflussreichsten Förderer der Reformation. Dies weist auf die Komplexität der Staatsbildungsprozesse im Inneren des Kurfürstentums hin, die eng mit der dynastischen Komponente der dortigen Herrschaftsbildung zusammenhingen. Dementsprechend sind auch die Förderung der Universitätspolitik in Leipzig und Wittenberg sowie das früh einsetzende Interesse an Medizin und Medizinalpolitik im Kurfürstentum und den angrenzenden sächsischen Herzogtümern in den Rahmen der Stärkung der zentralen politischen Stellung des Landesherrn einzuordnen. Diese Voraussetzungen stellten die Rahmenbedingungen für den (mühsamen) Aufstieg Kursachsens auf europäischer Ebene nach dem Dreißigjährigen Krieg, der schließlich in der Erlangung der polnisch-litauischen Krone im Jahre 1697 kulminierte.
Die Personalunion mit Polen-Litauen aktivierten die bereits eingeübten und gewonnenen Techniken der Herrschaftsdurchsetzung, die im hohen Maße durch Schriftlichkeit geprägt war, da so die Information der abwesenden Herrscher und ihrer Berater gewährleistet werden sollte.

Das Forschungsprojekt von Ruth Schilling fokussiert am Beispiel des Kurfürstentums Sachsen in Personalunion mit Polen-Litauen eine sowohl nach Innen gerichteten Staatsbildung als auch der Durchdringung eines gänzlich neuen Raumes. Dieses Vorhaben eröffnet damit die Möglichkeit, das Ineinandergehen von Staatsbildung und medizinischer Ordnungserfassung in nuce auf zwei unterschiedlichen Ebenen zu betrachten.